Der Regen fiel so heftig, als wolle er alles um sich herum вместе mit der nächtlichen Stille vor der riesigen Villa auslöschen. Wasserströme liefen über das schwarze eiserne Tor, schlugen auf den Steinweg und verwandelten die Luft in ein einziges kaltes Rauschen. Direkt am Tor stand ein junges Mädchen — kaum älter als achtzehn, völlig durchnässt, mit zitternden Händen und blassen Lippen. An ihre Brust drückte sie fest ein Baby, eingehüllt in eine feuchte Decke, und versuchte, es wenigstens mit ihrem eigenen Körper vor dem schneidenden Wind zu schützen.
Das Kind weinte leise, doch selbst dieses schwache Geräusch verschwand fast im Lärm des Regens. Das Mädchen sah aus, als halte sie sich nur noch mit letzter Kraft aufrecht, doch in ihrem Blick lag noch immer jener Trotz, der einen Menschen nicht gehen lässt, selbst wenn fast keine Kraft mehr übrig ist.
Hinter dem Tor stand er.
Ein großer Mann in einem teuren dunklen Mantel, unter einem großen schwarzen Regenschirm, als hätte der Regen nichts mit ihm zu tun. Seine Bewegungen waren ruhig, seine Kleidung vollkommen trocken, und sein Gesicht trug jene gewohnte Kälte eines Menschen, der sich seit Jahren daran gewöhnt hatte, fremdes Leid nicht mehr wahrzunehmen.
Er sah das Mädchen kurz an, ohne jede Regung.
— Was willst du? — fragte er.
Das Mädchen holte mühsam Luft und drückte das Baby fester an sich.
— Ich brauche Arbeit… irgendeine Arbeit… ich kann waschen, putzen, kochen… bitte… wenigstens für ein paar Tage…
Der Mann verzog keine Miene.
— Nachts kommt niemand hierher, um Arbeit zu suchen.
— Ich wusste nicht mehr, wohin ich gehen soll… — ihre Stimme zitterte, doch sie sprach weiter. — Man hat mir gesagt, dass man hier manchmal Leute für das Haus sucht…
Er trat einen Schritt näher, offensichtlich bereit, das Gespräch zu beenden.
— Geh. Das ist kein Ort für solche Bitten.
Die Worte klangen hart, doch das Mädchen wich nicht zurück.
Sie trat fast bis an das Tor heran und griff nach den kalten nassen Eisenstäben, als wüsste sie, dass es keinen zweiten Versuch geben würde.
— Bitte… ich bitte nicht um Mitleid… nur um Arbeit… für sie…
Sie neigte leicht den Kopf zum Baby.
Der Mann wollte das Tor bereits endgültig schließen, doch in diesem Moment hielt er plötzlich inne.
Sein Blick blieb an ihrem Halsansatz hängen.
Unter den nassen Haarsträhnen, nahe dem Schlüsselbein, zeichnete sich ein kleines dunkelrotes Muttermal in Form einer Mondsichel ab — zu klar, zu vertraut, um Zufall zu sein.
Einige Sekunden lang starrte er nur darauf, als hätte er aufgehört, den Regen zu hören.
Dann veränderte sich sein Gesicht schlagartig.
— Heb den Kopf — sagte er plötzlich mit völlig anderer Stimme.
Das Mädchen gehorchte verwirrt.
Das Licht der Lampe am Eingang fiel direkt auf ihr Gesicht und ihren Hals, und nun war das Muttermal noch deutlicher zu erkennen.
Der Mann trat noch einen Schritt näher. Der Regenschirm glitt ihm aus der Hand und fiel auf den nassen Stein, doch er bemerkte es nicht einmal.
Der Regen durchnässte sofort seine Schultern.
— Dieses Zeichen… — sagte er leise, fast flüsternd. — Hast du es seit deiner Geburt?
— Ja…
— Hatte deine Mutter das gleiche?
Nun erstarrte auch das Mädchen.
— Ja… Woher wissen Sie das?
Zum ersten Mal während des ganzen Gesprächs lag in seinem Blick keine Kälte mehr, sondern schweres Wiedererkennen, als stünde plötzlich eine Vergangenheit vor ihm, die er längst verloren geglaubt hatte.
Er blickte auf das Baby, dann wieder auf das Mädchen.
— Wie hieß deine Mutter?
— Maria.

Nach diesen Worten legte sich seine Hand langsam auf das Schloss des Tores.
Das schwere metallische Klicken ging fast im Regen unter.
Das Tor begann sich zu öffnen.
— Komm herein — sagte er leise. — Und erzähl mir alles von Anfang an.
Und das Mädchen wusste noch nicht, dass sie in dieser Nacht Arbeit im Haus eines Mannes gesucht hatte, der vielleicht bereits mehr über sie verstanden hatte als sie selbst… 👀